Mein jüngster Leserbrief

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Leserbrief „Die Presse“

Ist der Fachkräftemangel jetzt plötzlich gekommen?

Jahr für Jahr las man in der Presse bereits von Fachkräftemangel und damit einhergehend der drohenden Gefahr, wenn es einmal wirklich ernst wird. Hat sich darauf jemand vorbereitet? Ich kenne kein Unternehmen, das das wirklich getan hat. Die Wiener Linien, die ÖBB, das Finanzministerium…….  sind heute betroffen und sagen unisono, wie viele Mitarbeiter sie ersetzen müssen.

Aber was könnten die Unternehmen heute noch tun? Die jeweils genannte Zahl der zu besetzenden Stellen ist ja nicht in Stein gemeißelt, sie hängt davon ab, was bisher üblich war, „wann man geht“. Wie kann man heute das im Haus vorhandene Arbeitskräftepotenzial länger nützen? Die Plattform Seniors4success hat Ende des Vorjahres eine relativ umfassende Umfrage (611 Beteiligte) durchgeführt, wie in den Unternehmen die Verabschiedung in die Pension – Offboarding – gestaltet wird.

Eines von vielen überraschenden Ergebnissen: 59 % hätten gerne in irgendeiner Form für ihr bisheriges Unternehmen weitergearbeitet (Ehemalige Mitarbeiter, maximal 2 Jahre in Pension). Heute sind ja Menschen über 65 länger fit als in der Vergangenheit. Und manche von ihnen sind Experten, die man heute nur schwer findet. Aber da darf man nicht in den letzten 5 Jahren die Weiterbildung gänzlich oder teilweise streichen, wie es 25 % der Befragten erlebt haben. Da fühlen sich diese Menschen nicht mehr gebraucht.

Also, mir tun die Unternehmen nicht leid, wenn sie jetzt jammern. Sie haben nämlich in der Vergangenheit ihre Aufgaben nicht oder nur teilweise erfüllt, sich um ihr Humankapital, ihre Mitarbeiter zu kümmern. Ich weiß, dass es nie zu spät ist, etwas zu unternehmen, wenn man Mitarbeiter ernst oder ernster nimmt. Da könnte ein Ruck durch Österreich gehen. Könnte!

Prof. Dr. Leopold Stieger

1230 Wien

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Eine Antwort zu Mein jüngster Leserbrief

  1. Anneliese Blasl- Müller schreibt:

    Ja alles vorhersehbar und trotzdem will scheinbar noch niemand erfahrene Ältere wieder mit einem Modell zurückholen. Wenigstens könnte die Generation 60 plus die korrekte Einschulung der Neuen übernehmen. Ich höre jetzt öfters, dass junge Mitarbeiter schon 2 Jahre nach dem Start im Burnout sind. Generell besteht beim Management zu wenig Respekt vor dem Können/Wissen der Arbeitnehmer. Man denkt jeder neu aufgenommene Mitarbeiter kann nahtlos mit Checkliste das leisten, was der ausgeschiedene Mitarbeiter mit jahrelanger Erfahrung geleistet hat.Jedoch – wie man selbst bei der Koffer Logistik auf den Flughäfen jetzt sieht- muss ein Minimum an Intelligenz, Kooperation und Erfahrung und auch die nötige Kapazität zum richtigen Ergebnis eingesetzt werden. Wenn etwas gut organisiert ist, glaubt jeder Chef das ist sooo einfach. Aber auch gute Anfänger brauchen Vorbilder und etwas Zeit um richtig anzukommen und dann auch dabei zu bleiben.
    Daher wäre ein Mentoring durch ehemalige ältere Mitarbeiter sicher hilfreich, wenn von der Politik ein Modell ( zeitlich und steuerlich) gefunden würde, was beiden Teilen nützt. Leider wird das aber auch dort immer noch konsequent tabuisiert.

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