„Es gibt ihn nicht, den „wohlverdienten Ruhestand!“

Wir bleiben im „Hier und Jetzt“

Es hat mich wie ein Donnerschlag getroffen; jetzt nach fast zwei Jahren Pension, weiß ich es sicher: „Es gibt keinen wohlverdienten Ruhestand“!

Nichts von dem, was wir – oftmals mit großer Anstrengung und viel Selbstdisziplin – irgendwann erreicht haben, ist von Dauer. Niemand lobt mich heute für mein umsichtiges  Krisenmanagement während der „Lehman Crisis“ oder eine gelungene Reorganisation. Und keiner will mehr wissen, dass ich einem mühsamen Verhandlungspartner noch vor drei Jahren die Hälfte seiner Forderung  zu Gunsten meiner Firma heruntergehandelt habe. Alles Schnee von gestern. Auch bei mir verblasst die Erinnerung zusehends. Das Hochgefühl des beruflichen Erfolgs hat eine denkbar kurze Halbwertszeit und reicht nicht für die nächsten 20 Jahre Ruhestand.

Es gibt keine Lorbeeren aus der Vergangenheit, auf denen es sich in der Pension bequem ruhen lässt, wenn man gewöhnt ist, die Herausforderung zu suchen und seine Ressourcen und Talente für ein großes Ganzes einzusetzen. Solange ich kein Pflegefall bin, werde ich weiter Orte und Themen suchen, wo ich komplexe Lösungen zur Unterstützung einer Idee oder einer großen, guten und sinnvollen Sache erarbeiten kann.

Im „Hier und Jetzt“ bin ich dieselbe geblieben wie vor der Pension. Es liegt mir nicht, allein Familie, Haus und Garten, Reisen und Fitness in den Mittelpunkt zu stellen und dazwischen die Beine im Liegestuhl hochzulegen. Ich will mich anstrengen, Flow spüren, um dann wieder stolz auf Erreichtes sein zu können. Ich bin zu neugierig, will etwas Neues lernen und etwas Neues schöpfen, etwas Neues erreichen, um mich zum Jahresende befriedigt in den Spiegel zu schauen. Dabei muss ich nun kein Geld mehr verdienen, kann einfach das einbringen, was ich weiß und kann.

Was ist Ihre „gute Sache“, was motiviert Sie ? Wie lange haben wir noch Disziplin und Energie, jedes Jahr etwas zu erfinden, das  weiterhin das Gefühl gibt, nicht still zu stehen ?

Anneliese Blasl-Müller

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Eine Antwort zu „Es gibt ihn nicht, den „wohlverdienten Ruhestand!“

  1. Dr. Hermann Josef Groß schreibt:

    Ein toller Text, der mir ganz aus dem Herzen spricht. So finde ich mich nach zwei Jahren im Ruhestand (67) auch vor. Neben Tätigkeiten in Fördervereinen (Leitung, Mitarbeit im Vorstand, einfaches Mitglied) ist es das persönlich gesetzte Vorhaben, ein historisches Buch über die Geschichte meines Internates (1840 bis 1990) zu schreiben, in dem ich während der Schulzeit 8 Jahre gelebt habe. Das Archivmaterial liegt aufbereitet vor. Tempo und Intensität kann ich selbst bestimmen. Es ist schön, auch wieder inhaltlich zu arbeiten, wenn ich die meiste Zeit im Berufsleben als Funktionsträger im Personalbereich gearbeitet habe.
    Auch alte Kontakte aufrecht zu erhalten, die mir wichtig geworden sind und neue Kontakte zu knüpfen ist ein wesentlicher Grund für das eigene Wohlbefinden. Die Mitarbeit in Verwaltungsräten Fördervereinen vereint zwei Aspekte: Sich einsetzen können für soziale Zwecke (z. B. Museum, Hochschulbereich) und Kontakte lebendig zu halten.
    Zuletzt scheint mir am meisten wichtig, Kontakt mit jungen Menschen zu halten, um frisch im Denken und Fühlen zu bleiben. Bei mir ist es das Mit-Studieren mit unserer 23jährigen Pflegetochter, die gerade begonnen hat, Erziehungswissenschaften an der Universität zu studieren.

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