Hilfe, ich habe keine Zeit!

Prioritäten setzen – auch in der „Freitätigkeit“

Keine Zeit“ ist – so sagen manche „Spaßvögel“ – der gängige Pensionisten-Gruß! Das finde ich gar nicht witzig, denn tatsächlich habe ich seit ich in Pension „freitätig“ bin, tatsächlich oft wieder keine Zeit – so wie vorher im stressigen Berufsleben.

So schön habe ich mir die „Freizeit“ mit den vielen neuen Möglichkeiten vorgestellt. Endlich die gekauften Bücher lesen, regelmäßig Sport und Bewegung machen, den fehlenden Backenzahn durch ein Implantat ersetzen, meine Schulfreundinnen wiedersehen, intellektuell herausfordernde Vorträge hören, Buntmalen und mit meinem Enkelkind basteln und Eislaufen. Ich könnte die Liste noch weiter verlängern, denn die Gartenfließen sollten unbedingt neu verlegt werden, die Wände im ehemaligen Kinderzimmer wollte ich grün streichen und natürlich reisen, radfahren und wandern……….

Irgendwie klar, dass das alles weiterhin nicht geht. Aufgrund meiner Wohnadresse an der Wiener Peripherie ist fast jede Aktivität damit verbunden, ins Auto zu springen und wegzufahren oder nach dem Busfahrplan zu leben, um die U-Bahn zu erreichen. Kaum ein Weg lässt mich zwei Tagesordnungspunkte gleichzeitig erledigen. Reise ich mit der U-Bahn, kann ich die schwere Einkaufstasche nicht tragen und muss am nächsten Tag nochmals zum Supermarkt. Fahre ich zum Kindergarten, gibt es am Weg kein einziges Geschäft, um  frisches Brot zu kaufen.

Die Zeit fliegt auch bei der „Arbeit“ im Internet dahin. Einmal ist es ein Programm Update, das signifikant verzögert. Dann muss für das on-line Banking dringend ein neues Passwort gesetzt werden, eine on-line Anmeldung zu einer Veranstaltung erfolgen oder das eigene Profil auf  Linked-in überarbeitet werden. Vom Zeitaufwand, alle wesentlichen Mails zu lesen und zu beantworten, ganz zu schweigen. Auch gibt es so viele interessante Themen zu recherchieren, um mein Wissen zu erweitern, sodass ein oder zwei Stunden am PC schnell vorbei sind.

Ist das, was ich so gerne mache, schon „Freitätigkeit“ oder nur Beschäftigung ? Ich muss auch jetzt in der Pension gezielt Prioritäten setzen und einen Wochenplan machen. Den ganzen Mittwoch kann ich demnach tun, was ich will und Sonntag habe ich frei, denn eigentlich brauche ich meine Zeit zum Schreiben und für das eine oder andere „Ehrenamt“.

Ich meine aber, das  wichtigste ist die  Pflege sozialer Kontakte, das reale Treffen mit Freunden im Café zum Gespräch, statt dem einsamen Chat im Netz. Stillstand ist für Pensionisten ein besonderer Rückschritt, die kostbaren Jahre müssen sinnvoll genutzt werden, erholen und ausruhen kommt viel später. Daher habe ich tatsächlich keine Zeit zu verschwenden.

Anneliese Blasl-Müller

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Sind wir für den Rest der Welt nur noch „Senioren“?

Undifferenzierte Betrachtungen, denen wir widersprechen sollten.

Ich habe generell den Eindruck, dass alle jene, die noch nicht in Pension sind, uns „Freitätige“ ab etwa 60+ immer noch als undifferenzierte Gruppe der „Seniorinnen und Senioren“ wahrnehmen.

Letzte Woche kam die Einladung an alle „Wiener Seniorinnen und Senioren“, in einer bekannten Brauerei einen schönen Nachmittag zu verbringen, bzw. sich einem „Wiener Pensionistenclub“ anzuschließen. Mit gleicher Post machte mich ein Prospekt auf „Seniorenreisen“ aufmerksam.

Es herrscht offensichtlich das Vorurteil, dass „alte Menschen“ – etwa ab dem Alter von 60 Jahren – alle das Gleiche wollen. Sie brauchen Produkte, die ihre Krankheiten kurieren und haben ein prioritäres Interesse an Pflegeeinrichtungen oder zumindest an Arzt-begleiteten, überteuerten Gruppenreisen. Jedenfalls freuen sich „Oma und Opa“ über eine Jausen-Einladung und das gemeinsame Basteln und Turnen in einer Aktivitätsgruppe am Vormittag.

Alle meine Bekannten im Alter von 60+, 70+ und 80+ sind damit genauso wenig angesprochen wie ich. Denn ich interessiere mich jedenfalls weiterhin für die Wirtschaftsnachrichten und fahre im Cabrio auf Urlaub. Selbst mit gelegentlichen Rückenbeschwerden kann ich tadellos ein- und aussteigen, weil ich es will. In meine Tai Chi Trainingsgruppe gehe ich – so wie alle jüngeren Teilnehmer auch – am Abend um 18:30. Ich kenne auch nahezu 70-jährige Alpenvereinsmitglieder, die im Sommer Kanu fahren und auf ihr iPad vertrauen. Einer meiner Bekannten in dieser Altersgruppe macht gerade eine Ausbildung zum Opernsänger.

Wir sind also in vielen Dingen, die wir gerne tun, weil sie schon lange zu unserer Persönlichkeit gehören, keine homogene Interessengemeinschaft, die allein vom Alter abhängig wäre! Auch verwirklichen nicht wenige in der Phase der etwa 20jährigen „Freitätigkeit“ erst ihren Lebenstraum, schreiben ein Buch oder lernen endlich Klavier spielen. Wenn wir eine Krankheit haben, dann wollen wir genauso geheilt werden wie zwanzig-, dreißig-, vierzig-  oder fünfzigjährige Patienten. Auch Teenager brauchen nach einer Knieoperation eine Krücke und Leistungssportler nutzen Physiotherapie. In jedem Lebensalter kann man von heute auf morgen krank werden und sterben. Interessensgemeinschaften gibt es für Vorlieben unabhängig vom Alter.

Daher denke ich wir sollen uns nicht auf eine graue undifferenzierte Masse der „Seniorinnen und Senioren“ reduzieren lassen! Wir sind keine Almosenempfänger, sondern selbstbewusste Individuen, die weiterhin den Respekt fordern, der uns aufgrund unserer Fähigkeiten und unserer Persönlichkeit zusteht.

Mag. Anneliese Blasl-Müller

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Einmal alles anders machen

Eine Herausforderung oder einfach ein Spaß ?

Wir lieben das, was wir schon kennen. In vielen von uns steckt mehr an konservativer Einstellung als wir wahr haben wollen. Das  hat nichts mit Politik zu tun, sondern mit dem Festhalten an gewohnten Abläufen, Produkten  und Verhaltensweisen. Wir fahren immer im Juni nach Italien ans Meer; wir essen immer zuerst den oberen Teil der Buttersemmel und wir ziehen in Sportschuhen immer Socken an. Beim Rotwein bevorzugen wir Zweigelt und beim Eis den Zitronengeschmack usw., usw. Gewohntes vermittelt eine gewisse  Sicherheit und erspart uns, neue Entscheidungen zu treffen, insbesondere wenn wir sowieso in Eile sind.

Ich finde das ganz OK, solange wir mit unseren Gewohnheiten nicht andere Menschen zwangsläufig mit beglücken und nicht von unserem Partner, Kind oder Nachbarn fordern, es genauso zu machen. Schnell werden sonst  solche liebgewordenen  kleinen individuellen „Marotten“ zu Einstellungen darüber, was generell richtig und falsch ist; was „man tut“ und was auch andere „tun sollen“, weil wir es immer so gemacht haben.

Daher ist  meine Meinung dazu rechtzeitig stopp zu sich selbst zu sagen. Machen Sie doch jeden Tag einmal etwas bewusst anders als Sie es sonst immer machen. Nehmen Sie einfach einmal die Schnellbahn statt der U Bahn oder probieren Sie Grießbrei zum Frühstück statt Müsli. Was macht es schon aus, einmal ein rotes T Shirt zu kaufen, statt dem ewigen Dunkelblau? Ebenso ist es interessant, die Zeitung zur Abwechslung am IPad zu lesen oder mit Füllfeder statt mit Kuli zu schreiben. Freuen wir uns darüber, dass  wir immer wieder neu wählen können.

Ich denke, diese einfachen täglichen Chancen Veränderungsfreude zu trainieren, machen uns großzügig und tolerant, sie sind eine gute Vorbereitung, wenn das Leben von uns plötzlich Flexibilität im Krisenfall  einfordert. Wollen Sie es einfach einmal probieren? 

Mag. Anneliese Blasl-Müller

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„Man lernt nie aus“

Was uns Robert de Niro als „Praktikant“ zeigen kann.

Weder Reisen, noch Golf, noch häufiger Familienbesuch kann die Leere des pensionierten und verwitweten Managers, den Robert de Niro in dem Film „Man lernt nie aus“ spielt, füllen. Das Leben – so sagt er anfangs – besteht aus „Lieben und arbeiten“ und beides hat er als Single Pensionist im Alter von 70 Jahren nicht mehr. Er hält sich durch „in Bewegung bleiben“ über Wasser und versucht einen fixen Tagesplan einzuhalten, um nicht zu Hause zu „versumpern“, aber er verliert Schritt für Schritt an Lebensfreude und Energie. Solange, bis er sich bei einem Start-up, das in sein ehemaliges Firmengebäude eingezogen ist, als Praktikant bewirbt. Mit der Bewältigung der für ihn anfangs ungewöhnlichen Herausforderungen in einem on-line Shop in der Wachstumsphase steigt auch seine Freude am Leben wieder rapid an.

Unterforderung kann tatsächlich langfristig krank machen. Gebraucht werden und Erfahrung weitergeben ist das „A und O“ in der Phase der „Freitätigkeit“ nach dem Berufsleben. Die Liebe stellt sich dann durch die Entspannung vielleicht auch noch von selbst dazu ein. Auch wenn wir nicht gleich alle wie der Filmheld als Praktikant im Management eines Start-up’s anheuern können, um „wieder im Geschäft zu sein“, ist das kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Wir alle können uns an ungewöhnlichen Orten, für Menschen, die wir erst neu kennenlernen, nützlich machen. Wir nehmen keinem jungen Menschen den Job weg, wenn wir uns für ein paar Stunden als „Senior Advisor“ in ein Projekt einbringen oder bei Bedarf als Sparringpartner ein Problem mit einem Jungmanager diskutieren. Wir dürfen aber auch ganz gratis Mathematikaufgaben mit lernschwachen Kindern lösen oder eine Jugendgruppe zum Sport trainieren oder Suppe für Obdachlose kochen. Ich meine, die Freude, die uns aus dem Ergebnis einer solchen aktiven Tätigkeit erwächst, ist Lohn genug und macht beide Seiten zugleich reicher, viel reicher als es ein Tag mit Zeitung lesen, Fernsehen und im Liegestuhl liegen macht.

Wollen  Sie die Herausforderung annehmen und wieder zeigen, was Sie alles können?

Anneliese Blasl-Müller

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Vom Nutzen der SMARTEN Services im Alter

Ich „liebe“ mein …Pad

 Ja das klingt verrückt für eine mehr als 60ig jährige; ich „liebe“ mein  …Pad!

Es ermöglicht mir bequem vom ergonomisch gestalten Lehnstuhl aus viele Aktivitäten: Ich kann nicht nur meinen Blog schreiben, sondern auch im Internet surfen, mir z.B.: neue Auto- oder Wanderrouten ansehen, Podcasts hören, versäumte Fernsehsendungen streamen, Zeitung oder Romane lesen, meine Fotos ansehen, bearbeiten und versenden und natürlich auch on-line bestellen, was mir gerade in den Sinn kommt.

Gerade habe ich in der Wochenendzeitung von einem neuen Projekt zur Verbesserung der Altenbetreuung gelesen, bei dem der Schwerpunkt auf dem sofortigen vernetzten Informationsaustausch zwischen den Älteren mit den Helfern über Touch Screen am Tablett liegt. Der Blutdruck kann in Verbindung mit einer Pulsuhr jederzeit on-line überwacht werden und Stürze in der SMARTEN Wohnung werden sofort erkannt, um Hilfe zu holen. Wie gut, dass ich mich mit der Nutzung von Apps und Tabletts schon so gut auskenne!

Hier schleicht sich nun doch ein wenig Misstrauen in meine große Technikfreude, denn heute nutze ich selbstbestimmt jene Apps und on-line Dienste, die mir Freude machen, aber ich verweigere noch die SMARTE Vernetzung meiner Wohnung und die bequeme Abhängigkeit von einem allzeit bereiten „Lautsprecher“. Zu sehr ist mir der „Orwell‘sche Überwachungsstaat“ als Utopie aus meiner Schulzeit in Erinnerung.Trotzdem die SMARTE Heizungssteuerung für meine Ferienwohnung von Wien aus gefiele mir schon, aber dann würde ich nicht mehr vor jeder Anreise so nett mit der Hausmeisterin plaudern, die mich jetzt freudig am Ferien-Ort empfängt, nachdem sie für mich aufgrund meines Telefonanrufs eingeheizt hat.

Leider habe ich auch immer öfter die Erfahrung, dass schon meine on-line Bestellungen viel mehr Mühe als erwartet machen, weil die Zusteller immer öfter – obwohl wir alle zu Hause sind – nicht geläutet haben oder den Zustelltermin vorab einfach nicht ausfüllen, sodass die Vorabinformation über das Zustelldatum ad absurdum geführt wird.

Ja die neuen SMARTEN Services können hilfreich sein und unsere Verhaltensweisen selektiv ergänzen. Aber sollte man sich tatsächlich allein darauf verlassen ? Ein persönliches Gespräch zur  Beziehung  und/ oder ein gelegentliches Treffen zum Kaffee ist  als WhatsApp Ergänzung unerlässlich.

Anneliese Blasl-Müller

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Wir alle brauchen Lob

Warum auch wir ohne Applaus nicht glücklich sind

Für Schauspieler ist Applaus als Ergebnis ihrer Arbeit eine selbstverständliche Erwartung, die ja meist auch regelmäßig erfüllt wird. Seit vielen Jahren mahnen Management-Lehrbücher, nicht auf das regelmäßige Lob für die Mitarbeiter zu vergessen! Dabei sollen Stärken hervorgehoben und „gestärkt“ werden. Fehler werden eingestanden, aber nicht weiter schlimm genommen, wenn eine rasche Lösung und Aufarbeitung erfolgt. Der finanzielle Bonus ist dabei ein eindeutiges Zeichen von Anerkennung, ebenso wie das Frühstück mit dem Chef, ein Dienstauto oder ein eigenes Büro.

In Organisationen, die unter permanenten Reorganisationsdruck stehen, hat es sich eingebürgert, dass sich die Mitarbeiter – oft auch für möglichst viele andere gut lesbar –  gegenseitig loben,  um mental besser über die Runden zu kommen. „Das hast du gestern aber sehr gut präsentiert“, oder: „Dein Lösungsvorschlag war wirklich konstruktiv“, wird da schon von Kollege zu Kollege explizit angesprochen. Dabei geht es natürlich auch um die Erwartung, selbst ein ebensolches Lob zurück zu bekommen, wenn man vorher öffentlich gelobt hat. Soziale Medien sind voll von wechselweise bestätigten „guten Eigenschaften und Fähigkeiten“!

Wer aber lobt uns Pensionisten im Alltag? Das Auto als Statussymbol können wir uns selbst kaufen, wenn es uns wirklich so wichtig ist, aber ein Chef, der sagt: „Das haben sie aber gut gemacht!“ ist weit und breit nicht mehr in Sicht. Die Lorbeeren der früheren aktiven Jahre machen zwar immer noch ein wenig stolz, verblassen aber zusehends. Wir brauchen Anerkennung im „Hier und Jetzt“! Wir wollen zeigen, was wir an Erfahrung einbringen können und unser Licht bei kognitiven Herausforderungen auch im Privatleben nicht unter den Scheffel stellen. Ich habe begonnen mir jeden Abend für das täglich kleine Erreichte selbst auf die Schulter zu klopfen und erlebe damit eine gewisse Befriedigung.

Jedoch glaube ich, das, was wir wirklich wollen – öffentliche Anerkennung – erreichen wir nur durch weitere aktive Teilhabe an geschäftlichen oder karitativen  Projekten, in Gruppen, Vereinen,  Organisationen und Sozialen Netzwerken.

Anneliese Blasl-Mueller

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„Es gibt ihn nicht, den „wohlverdienten Ruhestand!“

Wir bleiben im „Hier und Jetzt“

Es hat mich wie ein Donnerschlag getroffen; jetzt nach fast zwei Jahren Pension, weiß ich es sicher: „Es gibt keinen wohlverdienten Ruhestand“!

Nichts von dem, was wir – oftmals mit großer Anstrengung und viel Selbstdisziplin – irgendwann erreicht haben, ist von Dauer. Niemand lobt mich heute für mein umsichtiges  Krisenmanagement während der „Lehman Crisis“ oder eine gelungene Reorganisation. Und keiner will mehr wissen, dass ich einem mühsamen Verhandlungspartner noch vor drei Jahren die Hälfte seiner Forderung  zu Gunsten meiner Firma heruntergehandelt habe. Alles Schnee von gestern. Auch bei mir verblasst die Erinnerung zusehends. Das Hochgefühl des beruflichen Erfolgs hat eine denkbar kurze Halbwertszeit und reicht nicht für die nächsten 20 Jahre Ruhestand.

Es gibt keine Lorbeeren aus der Vergangenheit, auf denen es sich in der Pension bequem ruhen lässt, wenn man gewöhnt ist, die Herausforderung zu suchen und seine Ressourcen und Talente für ein großes Ganzes einzusetzen. Solange ich kein Pflegefall bin, werde ich weiter Orte und Themen suchen, wo ich komplexe Lösungen zur Unterstützung einer Idee oder einer großen, guten und sinnvollen Sache erarbeiten kann.

Im „Hier und Jetzt“ bin ich dieselbe geblieben wie vor der Pension. Es liegt mir nicht, allein Familie, Haus und Garten, Reisen und Fitness in den Mittelpunkt zu stellen und dazwischen die Beine im Liegestuhl hochzulegen. Ich will mich anstrengen, Flow spüren, um dann wieder stolz auf Erreichtes sein zu können. Ich bin zu neugierig, will etwas Neues lernen und etwas Neues schöpfen, etwas Neues erreichen, um mich zum Jahresende befriedigt in den Spiegel zu schauen. Dabei muss ich nun kein Geld mehr verdienen, kann einfach das einbringen, was ich weiß und kann.

Was ist Ihre „gute Sache“, was motiviert Sie ? Wie lange haben wir noch Disziplin und Energie, jedes Jahr etwas zu erfinden, das  weiterhin das Gefühl gibt, nicht still zu stehen ?

Anneliese Blasl-Müller

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„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Vom Nutzen der Weiterbildung

Die kognitiven Fähigkeiten lassen im Alter nach; lernen ist etwas für Junge. Mit 60 und mehr Jahren will sich doch keiner in eine Schulklasse setzen und Prüfungen bei Lehrern ablegen, die fast 30 Jahre jünger sind. Das sind alles gängige Argumente um nach der Berufstätigkeit keine neue Ausbildung mehr anzufangen.

Dennoch kann es für viele spannend sein in der neu gewonnenen Freizeit des Pensionistendaseins etwas ganz Neues zu lernen. Das kann ein ganz konträres Themengebiet zum seinerzeitigen Beruf sein, wie bei mir nach dem Bankgeschäft die Theologie und die Philosophie. Es gibt aber auch den starken Wunsch etwas zum bisherigen Wissen und Können zu ergänzen, was einen schon immer interessiert hat, wie z.B.: Mediation oder Coaching, aber auch Sprachen wie Italienisch oder Chinesisch. Ganz interessant ist auch eine handwerkliche Technik wie Möbelrestaurierung oder etwas Künstlerisches wie Acryl- oder Tuschmalerei.

Niemand sollte sich dabei wegen seines Alters entmutigen lassen, auch wenn es manchmal länger dauert bis man einen Kursabschluss erarbeitet hat und ein Zeugnis entgegennehmen darf. Aus meiner persönlichen Erfahrung macht die Herausforderung etwas Neues zu lernen viel Freude und vermittelt eine Steigerung des Selbstwertgefühls, die wir manchmal außerhalb der Berufstätigkeit auch wieder dringend brauchen. Das systematische Erarbeiten des Lernstoffs für eine Prüfung gelingt bei mir nach denselben, bereits oft erprobten Methoden wie in jüngeren Jahren, wenn ich genug Zeit für die einzelnen Kapitel und deren Wiederholung einkalkuliere. Mit dem neu Gelernten muss ich ja jetzt auch kein Geld mehr verdienen.

Das neue Wissen kann mit viel Stolz in hitzig geführten Debatten gebraucht werden und verhilft uns auch im fortgeschrittenen Alter zum Training unseres Gehirns und zur Befriedigung unserer ungebrochenen Neugier. Immer wollte ich schon „hinter die Berge schauen“ und jetzt habe ich viel Gelegenheit dazu.

Daher schämen Sie sich jetzt nicht nochmals in eine Schule oder an eine Uni zu gehen, um nochmals das Zusatzwissen zu gewinnen, das Sie immer schon interessiert hat, aber wofür Sie im aktiven Berufsleben keine Zeit gefunden haben.

Anneliese Blasl-Müller

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Müßiggang  ist aller Laster Anfang

Heute gönne ich mir eine Auszeit

Das wichtigste für neue und alte Pensionisten ist eine strukturierte Woche, eine durchgeplante Zeit mit fix vorgesehenen wiederkehrenden Terminen und täglich zu erfüllenden Aufgaben. Dabei hatte ich mir für mein Pensionistendasein am besten vorgestellt, endlich einmal – auch unter der Woche – bei einer zweiten Tasse Kaffee am Frühstückstisch sitzen zu bleiben und meine Tageszeitung in Ruhe zu lesen. Danach wollte ich ein bisschen im Garten herum arbeiten oder einen Spaziergang machen und dann überlegen, ob ich nach dem Mittagessen eine Freundin zum Kino treffe oder ein Buch lese.

Die schöne Freiheit der Tageseinteilung nach 40-jähriger enger beruflicher Zeitplanung schien mir sehr verlockend zu sein. Wie im Urlaub ließe sich dann und wann ein Wellnesstag in der Therme oder ein Ausstellungsbesuch einschieben. Alle liebend gerne gekauften, aber aus Zeitmangel noch immer nicht gelesenen Bücher der verschiedensten Themengebiete wollte ich – nur unterbrochen von Teetrinken im Winter und Eis essen im Sommer – zu meiner zentralen Nachmittagsbeschäftigung machen. Doch dann stellte sich ziemlich bald heraus, dass der ewige Urlaub immer weniger Freude macht und sich immer mehr düstere Gedanken einschleichen! Es fehlt die Herausforderung, die Freude über etwas, das man geschafft hat, um sich erst daraufhin der wohligen Entspannung hingeben zu können.

Jetzt gehöre ich auch zu den gut beschäftigten „Freitätigen“ und führe einen straffen Terminkalender, wo ich schon im März die Maitermine fixiere und im Frühling meine Herbstseminare festlege. Zwei Tage die Woche gehören Fitness und Garten, zwei dem Studium und der Administration meiner diversen Projekte und zwei Tage der Familie inklusive Enkelkinder. Dazwischen ist schon noch Luft für meine geliebte Malerei oder einen ungeplanten Besuch beim Zahnarzt. Die Bücher stapeln sich immer noch ungelesen, die Zeitung überfliege ich und mittags esse ich schnell ein Fertiggericht, aber ich habe Ziele und Projekte, die mich motivieren. Der Terminkalender ist wieder so voll wie es immer war, aber ich fühle mich agil und gut dabei.

Gestern aber habe ich eine lang vorbereitete Prüfung bestanden und heute lasse ich es mir gutgehen mit Tee und Keksen und einem neuen Buch, das der Postbote eben erst geliefert hat. Und was haben Sie geplant, wie sieht Ihr Terminkalender aus?

Anneliese Blasl-Müller

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Kirchgängerinnen leben länger

Vielleicht nicht die wichtigste Meldung des Tages, aber nicht uninteressant:

Laut einer aktuellen Studie leben Frauen, die regelmäßig in die Kirche gehen, fünf Monate länger als ihre Altersgenossinnen.

Wer regelmäßig in die Kirche geht, lebt länger. Zu diesem Schluss kommen zumindest Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Sie untersuchten die Daten von 74.000 Frauen aus dem Zeitraum 1992 bis 2012 und stellten fest: Frauen, die mehr als einmal pro Woche die Kirche besuchten, hatten ein um 33 Prozent niedrigeres Risiko für einen vorzeitigen Tod. Im Schnitt lebten sie fünf Monate länger als ihre Altersgenossinnen, die nicht in die Kirche gingen.

Darüber hinaus hatten Frauen, die mindestens einmal pro Woche an einem Gottesdienst teilgenommen hatten, ein um 27 Prozent niedrigeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, und ein um 21 Prozent niedrigeres Risiko, an Krebs zu sterben.

Soziale Unterstützung

Laut Studienautor Tyler VanderWeele lässt sich dies durch einige Komponenten des Kirchentums erklären, allen voran die soziale Unterstützung, die man in einer kirchlichen Gemeinschaft erfahren kann. „Religion prägt so viel von unseren Ansichten, Verhaltensweisen, Überzeugungen und den Sinn des Lebens. Meine Spekulation, obwohl wir dazu keine Daten haben, wäre, dass Gruppen, die nicht nur gesellschaftliche Zusammenkünfte haben, sondern auch einen gemeinsamen Sinn sehen, gesunde Verhaltensnormen und eine gemeinsame Vision für das Leben haben, einen größeren Einfluss auf die Sterblichkeit haben, als, sagen wir, ein Bingospiel“, sagt VanderWeele.

Die geteilten Ansichten seien demnach also bedeutender als „nur“ die Gesellschaft anderer. Es muss also nicht immer gleich eine Religionsgemeinschaft sein. Es könnte auch eine Meditations- oder Trainingsgruppe sein, die ähnliche Ziele verfolgt und einen gesunden Lebensstil unterstützt.

Die Studie wurde im Fachjournal JAMA International Medicine veröffentlicht.

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