Die Österreicher bevorzugen einen indiviuellen Pensionsantritt, nicht den gesetzlichen vorgesehenen

Die Teambank Österreich hat eine Umfrage über den Pensionsantritt durchgeführt. Die Ergebnisse decken sich mit denen der jüngsten Umfrage von Seniors4success. Wir hatten aber damals eine Frage nicht gestellt: Soll der Pensionsantritt gesetzlich geregelt sein? Also einfach mit Abschlägen vor einem bestimmten Termin und mit Zuschlägen, wer länger arbeitet. Wie es z.B. in skandinavischen Ländern schon Praxis ist.

Leopold Stieger

„Noch lieber, stellt die Teambank fest, wäre es einer Mehrheit der Österreicher allerdings, wenn sie ihr Pensionsantrittsalter individuell selbst bestimmen könnten.

64 Prozent der Befragten seien dafür, die gesetzliche Altersgrenze abzuschaffen und es zu ermöglichen, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt mit den bis dahin erworbenen Pensionsansprüchen aus dem Arbeitsleben auszuscheiden.

„Egal, welches Pensionsalter dem jeweiligen Menschen vorschwebt: Den Österreichern ist Selbstbestimmung wichtig. Sie wollen dann den Ruhestand beginnen, wenn es zu ihren Lebensumständen passt“, sagt Teambank-Vorstandschef Alexander Boldyreff.

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Unser Pensionssystem ist zuwenig nachhaltig

Das Beratungsunternehmen Mercer hat 30 Länder in Bezug auf ihr Pensionssystem untersucht. Österreich schaffte es dabei nur auf Platz 21. Das beste System gibt es laut Mercer in Dänemark, gefolgt von Niederlanden und Australien. Schlusslichter sind Argentinien, Japan und Indien. Besonders schlecht schneidet Österreich in der Kategorie Nachhaltigkeit ab. Von den 30 untersuchten Ländern liegt Österreich hier auf Platz 29. Nur die Italiener sind noch schlechter dran als die Österreicher.

Wir hören immer wieder lautstark den Satz „Unsere Pensionen sind sicher“. „Betrachtet man den demografischen Wandel, darf man nicht länger die Augen verschließen“, sagt Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer in Österreich. Um die Zukunftsfähigkeit des Systems zu gewährleisten, werden folgende Maßnahmen empfohlen: Koppelung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung, Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer, Ermöglichung eines flexiblen Übergangs in den Ruhestand und eine schnellere Erhöhung des Pensionsantrittsalters für Frauen.

Die Mercer-Studie sorgte vergangenen Montag für heftige Kontroversen. Die SPÖ nannte laut Presse vom 24. Oktober 2017 das Ranking ein „Schauermärchen“, mit dem der Boden für einen Umbau des Pensionssystems aufbereitet werden soll. Dabei sei das österreichsiche System „eines der besten der Welt“, behauptete die SPÖ.

Leopold Stieger meint dazu: Machen Sie sich selbst ein Bild.

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USA – 8 in 10 workers ages 50-59 say they could perform same job in 10 years

Diese Umfrage ist interessant, weil viele ältere Mitarbeiter meist nicht von sich selbst überzeugt sind. Diese Langfrist-Betrachtung mobilisiert neue Potenziale.

Leopold Stieger

„At least 80% of workers ages 50-59 say that they will be able to perform the same job in ten years. Self-assessed future ability is higher among college graduates in this age group than non-college graduates, with non-college graduates more likely to expect future physical limitations and college graduates more likely to expect future mental limitations,“ according to a 2017 analysis of data from a RAND survey. (p. 12 and fig. 3.1) 

 

Maestas, N., Mullen, K. J., Powell, D., von Wachter, T., & Wenger, J. B. (2017). Working conditions in the United States: Results of the 2015 American Working Conditions Survey. Santa Monica, CA: RAND Corporation. Retrieved from this source.
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Beeinflussen die Älteren das Wahlergebnis in Deutschland?

Die Medien haben den demografischen Wandel und dessen potenzielle Einflüsse auf die politische Entwicklung aufgegriffen und zeichnen ein scheinbar klares Bild: „Die Macht der Senioren wächst. Ältere beeinflussen zunehmend den Wahlausgang“1, „Die Politische Macht der Senioren“2, „Rentnerrepublik Deutschland. Alte entscheiden die Wahlen.“3

Die Literaturzusammenstellung des Deutschen Zentrums für Altersfragen im September spiegelt die fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema wider. Die Literaturhinweise beschäftigen sich mit möglichen Veränderungen des Wahlverhaltens im Alter und berücksichtigen die politische Partizipation Älterer als Ganzes.

1 n-tv, 28.01.14, http://www.n-tv.de/politik/Altere-beeinflussen-zunehmend-Wahlausgang-article12162381.html [zuletzt abgerufen 01.09.2017]

2 Frankfurter Rundschau, 29.07.2015, http://www.fr.de/politik/senioren-die-politische-macht-der-senioren-a-447463 [zuletzt abgerufen 01.09.2017]

3 Die Welt / N24, 09.02.2017, https://www.welt.de/politik/deutschland/article161942218/Rentnerrepublik-Deutschland-Alte-entscheiden-die-Wahlen.html [zuletzt abgerufen 01.09.2017]

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OECD fordert „schnelle Erhöhung“ des Pensionsalters in Österreich

17.07.2017 um 11:11 APA
Die Industrieländer-Organisation OECD hebt in ihrem Länderbericht für Österreich die stabile Wirtschaft hervor. Sie drängt aber auch die Regierung zu weiteren Maßnahmen, um für den demografischen Wandel gerüstet zu sein.

Die heimische Wirtschaft wächst seit 2016 wieder kräftiger. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt nun in ihrem aktuellen Österreich-Länderbericht, das höhere Wirtschaftswachstum für Reformen im Bildungs-, Gesundheits- und Pensionssystem sowie in der öffentlichen Verwaltung zu nutzen und dadurch das potenziell mögliche Wachstum zu erhöhen.
Nach vier Jahren mit niedrigen Wachstumsraten zwischen 0,1 und 1 Prozent wuchs die österreichische Wirtschaft im Jahr 2016 real wieder um 1,5 Prozent. Für 2017 prognostizieren die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4 Prozent und die Experten des Instituts für Höhere Studien (IHS) und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) rechnen mit 2,2 Prozent. Im Jahr 2018 soll sich das Wachstum wieder auf 2,0 Prozent (Wifo) oder 1,7 Prozent (IHS, OeNB) abschwächen.
Kosten durch Alterung „sehr hoch“
Die OECD hebt in ihrem 144-Seiten-Länderbericht die stabile und wohlhabende Wirtschaft Österreichs hervor. Im Hinblick auf den aktuellen, zyklischen Wirtschaftsaufschwung sollte die Regierung aber weitere Maßnahmen setzen, um die Schuldenquote (öffentliche Schulden im Verhältnis zum BIP) von zuletzt 82,6 Prozent weiter zu senken. Die erwartbaren, steigenden Kosten durch die Alterung der Gesellschaft seien „sehr hoch“. Auf diese Kostensteigerung müsse mit einer „schnellen Erhöhung“ des effektiven Pensionsalters reagiert werden, empfiehlt die OECD.
Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehören 35 Industrienationen und aufstrebende Schwellenländer an. Ziel der Organisation ist es, Regierungen ein Forum zur Zusammenarbeit zu bieten und Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden.

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Älterwerden liegt im Trend

Erkenntnissen aus deutschen Studien zu Hundertjährigen / Langlebigen

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Elke Ferner, hat die Studien des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft der Charité – Universitätsmedizin in der Hochaltrigenforschung gewürdigt.

Hochaltrige sind eine in Forschung und Öffentlichkeit bislang nicht ausreichend beachtete Bevölkerungsgruppe. Dabei ist die Gruppe der über Hundertjährigen die am schnellsten wachsende Altersgruppe in Deutschland. Die aktuellen Studien der Charité widmen sich diesem neuen Phänomen und stellten heute ihre Ergebnisse zu Lebensperspektiven und zur Versorgungssituation hochaltriger Menschen vor.

Der Trend zum immer längeren Leben ist ungebrochen, ein Ende gegenwärtig nicht absehbar. Der 100. Geburtstag kommt immer häufiger vor und ist ein viel bewundertes Jubiläum. Die steigende Zahl Hundertjähriger macht auf beeindruckende Weise sichtbar, dass die Lebenserwartung weiter steigt. Erfreulich dabei ist, dass die meisten Menschen aufgrund der immer besseren Lebensbedingungen relativ gesund älter werden und der Pflegebedarf erst im hohen Alter deutlich ansteigt.

Die entscheidende Frage aus Sicht der Politik ist: „Wie gelingt es, älteren Menschen – auch bei Unterstützungsbedarf – ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben bis ins höchste Alter zu ermöglichen?“

Grundgedanke dabei ist, dass ältere Menschen weiter an der Gesellschaft teilhaben können. Teilhabe ist unverzichtbar für ein menschenwürdiges Leben. Förderung und Erhalt von Zugehörigkeit und Teilhabe stehen ganz oben auf der Agenda der Politik mit und für ältere Menschen.

Eine Studie mit deutschen Krankenkassendaten lieferte überraschende Erkenntnisse zur Versorgungssituation hochaltriger Menschen im Alter von 80-89, 90-99, 100 Jahre und älter.

Die Ergebnisse zeigen, dass Hundertjährige heute an einer geringeren Anzahl von Krankheiten leiden als jüngere Kohorten hochaltriger Menschen. Im Quartal vor dem Tod wiesen Menschen, die als Hundertjährige verstarben im Durchschnitt 3,3 Erkrankungen auf. Im Vergleich dazu waren es 4,6 Erkrankungen bei Menschen, die als Achtzigjährige starben.

(Pressemitteilung des Deutschen Bundesfamilienministeriums, veröffentlicht am 28.06.2017)

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Ist man nun Freiberufler – oder doch nicht?

Achtung!

Bei neuen Selbstständigen wird künftig vorab geprüft, ob sie nicht doch angestellt werden müssen. Das besagt das neue Sozialversicherungs-Zuordnungsgesetz.

Die Abschaffung des Pflegeregresses war ein Paukenschlag. Kaum jemand beachtete da die weiteren Änderungen im Sozialversicherungsrecht, die ebenfalls Ende Juni beschlossen wurden. Dabei sind auch diese nicht unwesentlich, denn sie betreffen ein heikles Thema: die Abgrenzung von selbstständiger und unselbstständiger Arbeit.

Vor allem geht es um sogenannte neue Selbstständige – etwa in Pflegeberufen, aber nicht nur dort – wie auch um einige freie Gewerbe und bäuerliche Nebentätigkeiten. Für sie alle, wie auch für die Auftraggeber, soll das neue „Sozialversicherungs-Zuordnungsgesetz“ mehr Rechtssicherheit bringen. Bereits bei der Aufnahme einer solchen Erwerbstätigkeit soll künftig geprüft werden, ob man tatsächlich als Selbstständiger bei der SVA oder Bauern-Sozialversicherung pflichtversichert ist. Oder ob eine unselbstständige Erwerbstätigkeit mit ASVG-Versicherungspflicht vorliegt.

Bindung an Entscheidung

Bereits Erwerbstätige und ihre Auftraggeber können die Prüfung ebenfalls beantragen. An das Ergebnis sind dann alle gebunden, Versicherungsträger wie auch Finanzamt. Und genauso an Entscheidungen, die aufgrund von lohn- oder versicherungsrechtlichen Prüfungen getroffen werden – auch dafür sieht das Gesetz ein neues Prozedere vor. Das soll verhindern, dass eine einmal getroffene Einstufung später wieder revidiert wird oder zwei Versicherungsträger gegensätzlich entscheiden.

Vor allem aber soll das vermeiden helfen, dass nach Jahren hohe Nachzahlungen drohen, weil festgestellt wird, dass ein „Auftragnehmer“ eigentlich hätte angestellt werden müssen. Bisher kam das immer wieder vor, manchmal mit ruinösen Folgen. Fast schon skurriles Beispiel: der Pflegekräfte-Vermittler VisiCare, der im Zuge einer Überprüfung als Leiharbeitsfirma eingestuft wurde und wegen Millionen-Nachforderungen der Sozialversicherung pleite ging. Dass der VwGH die Entscheidung später kippte, half ihm nichts mehr: Seiner Beschwerde war keine aufschiebende Wirkung zuerkannt worden. Ihn trieb also eine Fehlentscheidung in den Ruin.

Anrechnung von Beiträgen

Die neuen Regeln sollen aber auch die Beschäftigten selbst besser schützen – auch für sie können hohe Nachzahlungen existenzbedrohend sein. Festgelegt ist deshalb auch, dass Beiträge, die an den „falschen“ Versicherungsträger bezahlt wurden, an den zuständigen überwiesen und von diesem auf die Beitragsschuld angerechnet werden müssen.

Es gibt aber auch umstrittene Punkte, vor allem, was die Zuständigkeit für die Zuordnungsentscheidungen betrifft: Diese liegt bei den Gebietskrankenkassen. Damit seien diese „in erster Instanz Ermittler, Richter und Begünstigte in einem“, kritisiert etwa Christian Ebner, Unternehmensberater und Obmann der Unternehmer-Interessenvertretung FreeMarkets.at. Er würde die Entscheidungsbefugnis lieber bei den Finanzämtern sehen – wie übrigens auch die Neos, die einen entsprechenden Abänderungsantrag einbrachten, freilich ohne Erfolg.

Ein weiterer Kritikpunkt Ebners: Ein „Recht auf Selbstständigkeit“ gebe es weiterhin nicht. Aus seiner Sicht geht es nämlich nicht immer nur darum, dass Firmen Mitarbeiter gegen ihren Willen in die (Schein-)Selbstständigkeit drängen. Sondern es gibt auch das entgegengesetzte Phänomen – dass Freiberufler, etwa im IT-Bereich, aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen in eine Anstellung gezwungen werden.

Dennoch sei zu begrüßen, dass das neue Gesetz mehr Rechtssicherheit bringt, sagt Ebner. Positiv sei auch, dass „der wirtschaftliche Schaden im Fall einer rückwirkenden Zwangsanstellung“ deutlich reduziert werde.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 13.07.2017)

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